Wilhelm Busch (1832–1908) gehört zu den prägenden Gestalten der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, zunächst für ein technisches Studium vorgesehen, fand er über die Kunst und das Zeichnen schließlich zu seinem eigentlichen Beruf als Dichter, Zeichner und Satiriker. Mit scharfem Blick für menschliche Schwächen, für Heuchelei, Kleinbürgerlichkeit und moralische Selbsttäuschung entwickelte er eine unverwechselbare Verbindung aus Bild und Vers, die ihn zu einem Wegbereiter des modernen Comics machte. Seine satirischen Geschichten leben von pointierter Beobachtung, sprachlicher Präzision und einem Humor, der nie bloß harmlos ist, sondern stets auch entlarvt. Immer wieder kreisen sie um Themen wie Erziehung, gesellschaftliche Normen, religiösen Schein, Eitelkeit und die komischen wie tragischen Verwicklungen des Alltags. Gerade darin liegt ihre anhaltende Aktualität: Busch zeigt, wie zeitlos menschliche Schwächen sind und wie schnell aus moralischem Anspruch Selbstbetrug werden kann. Sein Werk ist nicht nur literarisch bedeutsam, weil es die Möglichkeiten von Bild und Text neu zusammendenkt, sondern auch, weil es mit Witz und Schärfe bis heute zum Nachdenken über Verhalten, Konvention und Charakter anregt. Wer kluge Satire, feinen Spott und eine kunstvoll verdichtete Sprache schätzt, wird Wilhelm Busch mit Gewinn lesen.